Der verrückte Mann mit dem mächtigen Bart

2010-I-19

End Times – Eels

Leerer Blick, lange graue Haare, ein mächtiger Bart, trübe (Lebens-)Abendstimmung. Die Präsentation des Covers von “End Times”, ein erneut melancholischer Ansatz der Indie/Alternativerockband EELS.

Anfang 2010 erscheint für viele Fans, nur 3 Monate nach dem Vorgänger, die Erlösung und für andere die Enttäuschung des noch jungen Jahres. War “Hombre Lobo” doch ein deutlicher Schritt in härtere und knarzigere Gefilde, was auf weitere Kracher wie “Souljacker” hoffen ließ, so orientiert sich “End Times” wieder an den ruhigeren Werken à la “Blinking lights and other revelations”. Deswegen gestaltet sich der Zugang für den Hörer auch wesentlich leichter als bei den herberen Alben oder auch dem neuesten, ebenfalls 2010 erschienenen “Tomorrow Morning”, welches nicht hart, aber durch Schlagzeugprogramme und eine bunte Mischung reichlich ausgefallen daherkommt.

Aber wer will den großartigen Mr. E schon in Schubladen stecken. Der Mann, welcher Zeit seines Lebens sich als nicht anpassungsfähig erwiesen hat und immer auf seinen eigenen Vorstellungen beharrte, lässt auch auf diesem Longplayer seine Gefühle und Gedanken den Ton angeben. Passend betitelt mit “The Beginning” eröffnet ein ruhiges, in Moll gehaltenes Stück das Album. Inhaltlich werden im Rückblick die schönen Momente einer verflossenen Romanze geschildert. Vergangene Beziehungen werden genauso thematisiert wie auch der Tod. “It’s not over yet, but it feels not so far away”, meint Mark Everett in “In my younger days”, in dessen Musikvideo alles rückwärts läuft. Hoffen wir’s nicht.

Doch gestaltet sich “End Times” nicht ausschließlich ruhig und düster. “Gone Man” und “Paradise Blues” frischen die Stimmung durch knackigen Groove auf, fallen aber nicht aus dem Muster. Der Songwriter achtet akribisch darauf, dass sein Werk im Gesamten zusammenpasst. Natürlich bringen diese beiden Tranks live das ganze Publikum in Bewegung. Das Lied “End Times” an sich verpasst beim Konzert dem Zuhörer eine Gänsehaut, denn wenn E alleine mit seiner Gitarre und durch Tuch, Brille und Bart vermummt auf der Bühne steht und seine unvergleichliche Stimme ertönen lässt, werden bei jedem ungeahnte Gefühle frei.

Mit dieser feinen Mischung von nachdenklichen Songs wie “I need a mother” und knalligen Stücken wie “Unhinged” findet sicher jeder Zuhörer etwas, das ihm gefällt. Die Limited Deluxe Edition enthält zusätzlich zu den standardmäßigen 14 Liedern noch 4 Bonustracks. Somit hält man mit “End Times” ein sehr freundlich-bitteres Album in Händen, das viel Spielraum für Interpretation und Identifikation lässt.

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